Bio Suisse vs. IP-SUISSE: Nachhaltigkeits-Labels im Vergleich
- Lewis Felder
- 9. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
Wer beim Fleischkauf auf Nachhaltigkeit achtet, begegnet in der Schweiz zwei starken Labels: Bio Suisse und IP-SUISSE. Beide setzen sich für eine tierfreundliche, umweltschonende und sozial faire Landwirtschaft ein – doch es gibt Unterschiede. In diesem Beitrag vergleichen wir die beiden Label-Richtlinien in vier zentralen Bereichen: Tierwohl, Biodiversität, Klimaschutz und Soziales.

🐄 Tierwohl: Strenge Standards bei beiden Labels
Bio Suisse verlangt, dass Tiere auf besonders natürliche Weise gehalten werden. Sie müssen regelmässig Auslauf haben (RAUS), auf Stroh liegen (BTS), und dürfen ausschliesslich biologisches Futter erhalten – meist vom eigenen Hof. Enthornung ist nur unter strengen Bedingungen erlaubt, und es gelten hohe Anforderungen an die Gruppengrösse, Platzverhältnisse und Transportdauer .
IP-SUISSE verlangt ebenfalls RAUS und BTS und orientiert sich stark an den Tierschutz-Kontrollhandbüchern. Auch hier wird Wert auf Stroh, Platz und gute Betreuung gelegt. Im Gegensatz zu Bio ist konventionelles Futter zugelassen – gentechnikfrei, aber nicht zwingend biologisch.
🟢 Fazit: Bio Suisse geht beim Futter und bei Medikamenten noch konsequenter vor, IP-SUISSE setzt auf hohe Standards mit etwas mehr Flexibilität.
🌻 Biodiversität: Punkte sammeln für Artenvielfalt
Bio Suisse verlangt konkrete Massnahmen zur Förderung der Biodiversität. Dazu gehören artenreiche Wiesen, Hecken, Buntbrachen oder das Fördern von Nützlingen. Mindestens 7% der Fläche müssen Biodiversitätsförderflächen sein .
IP-SUISSE arbeitet mit einem Punktesystem, das Biodiversitätsleistungen bewertet. Es gibt Pflicht- und Wahlmassnahmen, z. B. Asthaufen, Nisthilfen oder extensive Wiesen. Der Betrieb muss eine gewisse Punktzahl erreichen .
🟢 Fazit: Beide Labels fördern aktiv die Biodiversität, Bio Suisse mit fixen Flächenvorgaben, IP-SUISSE mit einem flexibleren, aber streng kontrollierten Punktesystem.
🌍 Klima: Ressourcenschutz und Kreislaufdenken
Bio Suisse setzt auf geschlossene Kreisläufe: Futter vom eigenen Hof, möglichst wenig Zukauf, kein Flugfutter, kein synthetischer Stickstoff. Das reduziert den CO₂-Fussabdruck und fördert Bodenfruchtbarkeit .
IP-SUISSE integriert den Klimaschutz in sein Punktesystem: Reduktion von Lachgas- und Methanemissionen, Humusaufbau, Futteroptimierung oder Photovoltaik-Anlagen zählen als Massnahmen .
🟢 Fazit: Beide Labels engagieren sich fürs Klima – Bio Suisse über konsequente Kreisläufe, IP-SUISSE über Massnahmenvielfalt mit messbarem Fortschritt.
👩🌾 Soziales: Fairness für Mensch und Tier
Bio Suisse schreibt explizit faire Arbeitsbedingungen, Gleichstellung und soziale Absicherung für Mitarbeitende vor. Auch internationale Partnerschaften (z. B. bei Importprodukten) müssen sozial fair sein (Bio Suisse Sozialstandards) .
IP-SUISSE verlangt für alle Arbeitskräfte geregelte Arbeitsverträge, faire Löhne, Sozialversicherungen und sichere Unterkünfte. Zusätzlich wird der respektvolle Umgang mit Nachbarschaft und Gemeinschaft betont .
🟢 Fazit: Beide Labels legen grossen Wert auf soziale Verantwortung. Bio Suisse ist international stärker reguliert, IP-SUISSE konkretisiert die Anforderungen auf Betriebsebene.

Kommentare